11. KGIS - Workshop am 07. März 2007

Geleitwort

Kommunale Geo-Informationssysteme
am 07. März 2007 an der Technischen Universität Darmstadt

Geodateninfrastrukturen (GDI) werden derzeit an vielen Stellen konzipiert und aufgebaut. Ein Pilotbeispiel aus dem kommunalen Bereich ist die GDI Südhessen. Der erste Block des Workshops gibt einen Einblick, in dem er die Konzeption, die ersten technischen Realisierungen und die Sicht der Anwender beschreibt.

Der zweite Block zeigt Einsatzbereiche für GIS im Landmanagement. Dabei werden verschiedene Anwendungsmöglichkeiten in den Aufgabengebieten der Bauleitplanung, beim Neuen Kommunalen Finanzmanagement und in der Wasserwirtschaft anhand von praktischen Erfahrungen aufgezeigt.

Im dritten Block werden drei weitere Beispiele zu kommunalen Geodateninfrastrukturen aus anderen Bundesländern vorgestellt. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Konzepte und Realisierungen miteinander vergleichen.

Das Seminar ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Geodätischen Instituts und des Instituts für Kommunale Geo-Informationssysteme (IKGIS). Weitere Informationen zum Veranstalter IKGIS und der Workshopreihe finden zum IKGIS finden Sie unter http://www.ikgis.de.

Harald Schlemmer

Hans-Joachim Linke

Technische Universität Darmstadt

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Programm

09:00Begrüßung

Prof. Dr.-Ing. Harald Schlemmer,
TU Darmstadt

Block 1: GDI SüdhessenModeration: Dipl.-Ing. Werner Pilz
09:15

Konzeption und Umsetzung einer kommunalen GDI

Dipl.-Ing. T. Roßmanith,
AfB Heppenheim

09:45

Technische Realisierung von kommunalen GDI-Prozessen

Dipl.-Ing. T. Ferdinand,
TU Darmstadt

10:15

Vorteile und Erwartungen an eine GDI-Südhessen

Dipl.-Ing. (FH) T. Schmitt,
Landkreis Groß-Gerau

10:45

Diskussion

11:00

Kaffepause

Block 2: GIS im LandmanagementModeration: Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Linke
11:15

GIS in der Bauleitplanung

Dr. J. Benner,
Forschungszentrum Karlsruhe

11:45

GIS-Einsatz beim Neuen Kommunalen Finanzmanagement

Dipl.-Ing. N. Kenning,
Stadt Rheine

12:15

GIS-Einsatz in der Wasserwirtschaft

Prof. Dr.-Ing. M. Ostrowski,
TU Darmstadt

12:45

Diskussion

13:15

Imbiss

Block 3: Konzepte und Erfahrungen kommunaler GDI-ProjekteModeration: Prof. Dr.-Ing. R. Seuß
13:45GDI für eine ganzheitliche Nutzung kommunaler Geodaten am Niederrhein

Dipl.-Ing. W. Funk,
KRZN Moers

14:30Die Geodateninfrastruktur auf freier Software der Bundesstadt Bonn und der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler

Dipl.-Ing. J. Wagner
Stadt Bonn

15:00Anwenderbericht GDI-Kom am Beispiel des Kreises Segeberg

Torsten Luckow,
Kreis Segeberg

15:15Die Zukunft schon heute, neue Möglichkeiten in der Cloud

Markus Briglmeir
Technical Sales Engineer, Autodesk GmbH

15:45 Abschlussdiskussion
16:00Ende der Veranstaltung
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VortragDownload
Konzeption und Umsetzung einer kommunalen GDI   
Technische Realisierung von kommunalen GDI-Prozessen
Vorteile und Erwartungen an eine GDI-Südhessen
GIS in der Bauleitplanung
GIS-Einsatz beim Neuen Kommunalen Finanzmanagement
GIS-Einsatz in der Wasserwirtschaft
GDI für eine ganzheitliche Nutzung kommunaler Geodaten am Niederrhein
Die Geodateninfrastruktur auf freier Software der Bundesstadt Bonn und der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler
Anwenderbericht GDI-Kom am Beispiel des Kreises Segeberg
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Seminarbericht

11. Workshop "Kommunale Geographische Informationssysteme"
am 07. März 2007 an der Technischen Universität Darmstadt

Auch in diesem Jahr veranstaltete das Institut für Kommunale Geoinformationssysteme (IKGIS e.V.) an der TU Darmstadt wieder den Workshop: „Kommunale Geoinformationssysteme“. Der Schwerpunkt der Veranstaltung wurde in diesem Jahr auf die Geodateninfrastruktur gelegt. Den rund 100 Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung konnte ein umfangreiches Programm geboten werden, welches in den Themenbereichen:

  • GDI-Südhessen
  • GIS im Landmanagement und
  • Konzepte und Erfahrungen kommunaler GDI-Projekte

präsentiert wurde.

Eröffnet wurde der elfte Workshop „Kommunale Geoinformationssysteme“ durch Prof. Dr.-Ing. habil. Harald Schlemmer. Dieser begrüßte die Teilnehmer des Seminars und berichtete, dass auch in diesem Jahr wieder ein sehr gutes Arrangement an Vorträgen erstellt werden konnte, für das hervorragende Referenten gewonnen wurden.

Im ersten Vortragsblock, den Dipl.-Ing. Werner Pilz moderierte, wurde das Pilotprojekt „GDI-Südhessen“ vorgestellt. Herr Dipl.-Ing. Thomas Roßmanith vom Amt für Bodenmanagement Heppenheim eröffnete diesen. In seinem Vortrag „Konzepte und Umsetzung einer kommunalen Geodateninfrastruktur“ berichtete der Referent über die Erfahrungen, die er im Rahmen des Projektes zum Aufbau einer kommunalen GDI sammeln konnte. In dem Projekt sind Vertreter aus der öffentlichen Verwaltung, der Wissenschaft und der Wirtschaft eingebunden. Im Gegensatz zu einer übergeordneten GDI, z. B. auf Landes- oder Bundesebene, ergeben sich in einer kommunalen GDI andere Schwierigkeiten, die sich insbesondere auf die komplexe und heterogene Organisationsstruktur kommunaler Gebietskörperschaften zurückführen lassen. Diese sind im Rahmen des Aufbaus einer kommunalen GDI zu meistern. Die GDI-Südhessen ist eingebunden in die GDI-Hessen. Die Projektergebnisse sollen für die Realisierung von Geodateninfrastrukturen im mittel- und nordhessischen Raum bereitgestellt werden, sodass von den gewonnenen Erfahrungen des Pilotprojektes profitiert werden kann. Herr Roßmanith stellte die bisher im dem Projekte umgesetzten Inhalte dar. Es wurde eine Vorstudie durchgeführt, auf dessen Grundlage Prozesse innerhalb einer Verwaltungsebene und verwaltungsebenenübergreifend realisiert werden sollen. Weitere Projektbausteine sind u. a. der Aufbau eines kommunalen Metadateninformationssystems sowie die Entwicklung eines Organisations- und Rollenmodells. Als Fazit wurde dargelegt, dass ein Prozessdenken in einer GDI zu verinnerlichen ist, um einen Mehrwert zu erzielen, der über die Nutzung verschiedener Geodatenbestände unterschiedlicher Anbieter hinausgeht.

Im Anschluss berichtete Frau Dipl.-Ing. Tina Ferdinand von der TU Darmstadt über die „Technische Realisierung von kommunalen GDI-Prozessen“. Im Rahmen des Projektes „GDI-Südhessen“ wurden konkrete Leitprojekte definiert, die unter der Verwendung von bestehenden Diensten, Daten und Komponenten der GDI-Hessen umgesetzt werden sollen. In den Leitprojekten steht die Verwendung von Normen und Standards im Vordergrund. Hierdurch soll die Erweiterung der Prozesse auf andere Kommunen und Landkreise, die Wiederverwendung der einzelnen Komponenten sowie die Integration bestehender Komponenten der GDI-Hessen ermöglicht werden. Zum Tragen kommen die verschiedenen Spezifikationen des Open Geospatial Consortium (OGC). Zu nennen sind hier der Web Map Service (WMS), der Web Feature Service (WFS) und der Catalogue Service for the Web (CSW). Als erstes Leitprojekt erfolgte die Umsetzung eines Prozesses innerhalb einer Verwaltungsebene (Horizontaler Prozess). Frau Ferdinand führte diesen Prozess den Seminarteilnehmern vor. Es wurde ein Bebauungsplankataster für den Landkreis Bergstraße realisiert, in dem die Geltungsbereiche von Bebauungsplänen gemeinsam mit der ALK in einem Kartenviewer visualisiert werden. Weiterhin kann der Nutzer nähere Informationen zu den einzelnen Plänen erhalten, beispielsweise werden die textlichen Festsetzungen zugänglich gemacht. Der Prozess ist auf der Internetseite: www.ikgis.de/GDI verfügbar. Darüber hinaus gab die Referentin einen Ausblick über die weiteren Realisierungskomponenten des Projekts. Diese sind u. a. die Umsetzung eines verwaltungsebenenübergreifenden Prozesses, angedacht ist ein Radwegeinformationssystem für Südhessen. Auch ist der Aufbau eines kommunalen Metadateninformationssystems geplant.

Zum Abschluss des ersten Vortragsblocks referierte Herr Dipl.-Ing. (FH) Thomas Schmitt vom Landkreis Groß-Gerau über die „Vorteile und Erwartungen an eine GDI-Südhessen“. Zunächst stellte er einen zeitlichen Abriss über das Geoinformationswesen dar. Bisher hielt vor allem der technische Fortschritt in der Geoinformation ein, der von einer analogen Informationsführung bis zur digitalen Datenhaltung unter der Verwendung von CAD- bis zu GI-Systemen reichte. Heute und künftig gehen die Entwicklungen jedoch über den technischen Fortschritt hinaus und man befasst sich mit dem Aufbau von Geoinformationsstrukturen. Gründe dafür sind vor allem Defizite in der Beschaffung und Aktualität von Geodaten. Um diese Defizite zu beheben und auch unter dem Aspekt, dass das Geoinformationswesen zunehmend an wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung gewinnt, beteiligt sich der Landkreis Groß-Gerau an dem Projekt „GDI-Südhessen“. Für ihn ist die Beteiligung an dem Projekt eine Investition in die Zukunft. Der Vortragende nannte vier gute Gründe, die für eine Projektbeteiligung sprechen: Erstens wird ein gemeinsames Denken und Handeln über die Verwaltungsgrenzen hinweg gefördert. Zweitens wird die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ausgebaut. Drittens kann durch eine GDI die Region als Lebens- und Wirtschaftsraum gestärkt werden, und viertens ist die Erschließung neuer Märkte, Kunden und Produkte durch ein solches Projekt gegeben. Herr Schmitt ging auch auf die mangelnde Beteiligung der Wirtschaftsvertreter in dem Projekt ein. Hier erhofft er sich eine Ausweitung. Die Wirtschaftsvertreter sollen insbesondere auf die Fragestellungen eingehen: „Welches Interesse hat die Wirtschaft an einer GDI und welche Informationen fragt der Markt nach, die kommunale Einrichtungen liefern können“. Im Rahmen der noch bevorstehenden Schritte des Projektes wünscht sich der Landkreis Groß-Gerau, dass auch finanzielle Aspekte, wie die Refinanzierung der Datenerhebung, Datenpflege und Datenbeschaffung durch die Vermarktung der Geoinformationen, untersucht werden. Ebenso wäre als langfristiges Ziel ein Vermarktungs- und Finanzierungsmodell aufzustellen.

Nach einer kurzen Pause, in der sich die Gelegenheit zu zahlreichen Einzelgesprächen bot, wurde der Workshop unter der Moderation von Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Linke fortgesetzt. Der zweite Block stand unter dem Thema „GIS im Landmanagement“.

Dr. Joachim Benner vom Forschungszentrum Karlsruhe berichtete über „GIS in der Bauleitplanung“. Das Ziel seines Vortrags war die Vorstellung des Standardisierungsprojektes „XPlanung“. Hierin wird ein standardisiertes Datenmodell für die Bauleitpläne sowie eine zugehöriges Austauschformat entwickelt. Dadurch soll ein einfacher Austausch von Bauleitplänen ohne Informationsverlust gewährleistet werden. Das Projekt läuft im Rahmen verschiedener E-Governmentinitiativen und ist ein Modellprojekt der GDI-DE. Der Referent berichtete, dass die bisherige Situation im Bereich der Bauleitplanung nicht zufriedenstellend ist. Zum Datenaustausch und für die Visualisierung liegen bisher keine Standards vor. Dies führt dazu, dass bei einer Datenübertragung wertvolle Informationen verloren gehen. Weiterhin wird die Wahl einer geeigneten Software erschwert. Darüber hinaus behindern fehlende Standards den Aufbau von Diensten zur Aufstellung, Genehmigung, Änderung und Nutzung von Bauleitplänen. Durch die Schaffung eines Standards sollen diese Defizite behoben werden. Das zentrale Ergebnis des Projektes XPlanung ist die Definition des Austauschformates „XPlanGML“. Diesem liegt der Standard GML (Geography Markup Language) zugrunde, und es orientiert sich an nationalen Entwicklungen wie „ALKIS“ und „CityGML“. XPlanGML stellt eine hochwertige Schnittstelle dar, mit der auch eine Verknüpfung von Geometrie und Sachinformationen gewährleistet ist. Das erleichtert die Speicherung von Plänen in Datenbanken und ermöglicht Auswertungen nach geometrischen und semantischen Kriterien. Der potenzielle Mehrwert des neuen Ansatzes für Kommunen ist die Vereinfachung des Datenaustausches zwischen den verschiedenen am Planungsprozess beteiligten Akteuren. Weiterhin wird die Entwicklung von Verfahren und Diensten zur Unterstützung der Aufstellungsverfahren und der Vermarktung vorhandener Pläne ermöglicht. Herr Dr. Benner gab einen Bericht über den aktuellen Projektstand ab. Dabei ging er auf den Aufbau des Datenmodells und die Schnittstelle ein. Geplant ist, das Modell weiter zu entwickeln um noch vorhandene Defizite (Lücken und Inkonsistenten) zu beseitigen und an neue rechtliche Gegebenheiten anzupassen. Das Modell soll auch um Module wie einen „Regionalen Flächennutzungsplan“ und einen „Landschaftsplan“ erweitert werden. Weiterhin sind der Aufbau von Fachverfahren und Diensten, sowie die Integration in andere Fachstandards (z. B. ALKIS und CityGML) vorgesehen.

Der nachfolgende Vortrag „GIS-Einsatz beim Neuen Kommunalen Finanzmanagement“ wurde von Dipl.-Ing. Norbert Kenning von der Stadtverwaltung der Stadt Rheine gehalten. Herr Kenning gab zu Beginn einen Überblick über die Stadt Rheine und über den Aufbau der Stadtverwaltung. Dabei ging er auch auf die Aufgaben im Bereich „Geoinformationsdienste“ ein. Im Anschluss gab er einen Überblick über das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF). In Nordrhein-Westfalen sind bis zum Jahr 2009 alle Kommunen verpflichtet, die kamerale Haushaltsführung auf die kaufmännische Buchführung umzustellen. Für die dafür erforderliche Aufstellung einer Eröffnungsbilanz sind alle kommunalen Vermögensgegenstände zu erfassen und zu bewerten. Hierunter fallen insbesondere Liegenschaften (Grundstücke und Gebäude) und Infrastrukturvermögen (z. B. Straßen, Wege, Kanäle, sonstige Bauten), welche ca. 90% des Gesamtvermögens einer Kommune bilden. Der Vortragende berichtete über eine Auswahl an Prozessen zur Erhebung und Bewertung der Vermögensgegenstände. Als Datengrundlage wurde im Wesentlichen das Liegenschaftskataster (ALB, ALK) herangezogen aufgrund dessen insbesondere die Bewertung der Grundstücke (Bodenwerte) unter Hinzuziehung der Bodenrichtwerte erfolgte. Zum Erfassen und Bewerten der Straßen und deren Einrichtungen war ein umfangreicher Aufwand erforderlich, da ca. 80% des Straßenbestandes nicht erfasst war. Hier entschloss man sich, die Erhebung der Informationen mittels Orthofotos durchzuführen, wobei zu diesem Zweck eine Befliegung veranlasst wurde. Die Informationen, die nicht aus den Orthofotos erhoben werden konnten, erfassten die städtischen Straßenwärter mittels eines Handhelds in der Örtlichkeit. Die erhobenen Informationen wurden in einem Geoinformationssystem erfasst und ausgewertet, um die Vermögenswerte zu generieren. Herr Kenning stellte dar, dass das NKF nicht alleine als zu bewältigende Aufgabe zu betrachten, sondern als Chance zu begreifen ist, in dem Mehrwerte generiert und Synergieeffekte genutzt werden können. So wurden beispielsweise die beschafften Orthofotos auch für andere Verwaltungsbereiche fachübergreifend bereitgestellt. Weiterhin baute man u. a. ein Bauflächenkataster, ein Baum- und ein Grünflächenkataster auf. Dadurch finden die gewonnenen Geodaten für die NKF zum Aufbau weiterer Fachanwendungen Verwendung. Ebenso ergibt sich eine Aktualisierung der Daten durch die erforderliche Fortschreibung aufgrund wiederkehrender Inventuren für das NKF.

Im letzten Vortrag des zweiten Vortragsblocks referierte Prof. Dr.-Ing. Manfred Ostrowski von der TU Darmstadt über den „GIS-Einsatz in der Wasserwirtschaft“. In dem Vortrag wurde dargelegt, dass Geographische Informationen in umfassender Weise die Grundlage für die Bewirtschaftung ober- und unterirdischer Wasserressourcen und der dafür erforderlichen hydrologischen Analysen und Synthesen sind. Als Betrachtungsraum setzte sich hierbei das Flusseinzugsgebiet durch. Die Verwendung von Geoinformationssystemen erfolgt in unterschiedlichen Komplexitätsstufen. Die einfachste Variante ist die direkte Nutzung der Geoinformationen für Entscheidungen (subjektive Interpretation). In einer nächsten Stufe erfolgt eine Weiterverarbeitung der Informationen mit einfachen Methoden und Verfahren. Auswertemethoden werden dabei zum Teil in die Informationssysteme integriert oder durch individuelle Schnittstellen angebunden. In der höchsten Komplexitätsstufe stellt die GIS-Nutzung die Grundlage für Simulationsmodelle dar. Die Simulationsmodelle umfassen im Wesentlichen hydrologische, hydrodynamische und wasserwirtschaftliche Modelle. Hierfür ist die Anbindung an Datenbankmanagementsysteme zur Systemdarstellung erforderlich. Heutige GIS-Hersteller haben die Anforderungen der Wasserwirtschaft zum Teil erkannt und bieten Standardapplikationen in ihren Systemen an. In dem Vortrag geht der Referent auf einige Beispiele ein. Er stellt die Systeme „Arc Hydro“ (GIS für Water Resources) und „Flussgebietsgeoinformationssystem des Wupperverbandes“ (FluGGS) vor und zeigt einige Möglichkeiten über die Nutzung typischer Geoinformationen in Hydrologie und Wasserwirtschaft.

Nach der Mittagspause, in der ein Imbiss gereicht wurde, moderierte Prof. Dr.-Ing. Robert Seuß den dritten Block des Workshops zum Thema „Konzepte und Erfahrungen kommunaler GDI-Projekte“.

Herr Dipl.-Ing. Wilfried Funk vom Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) berichtete in seinem Vortrag über die „GDI für eine ganzheitliche Nutzung kommunaler Geodaten am Niederrhein“. Zu Beginn des Vortrags stellte der Vortragende das KRZN vor. Das KRZN ist ein kommunaler Zweckverband, der als IT-Dienstleister für seine Mitglieder fungiert. Hierzu gehört auch das Vorhalten und Bereitstellen von Geodaten. Er legte dar, welche Erwartungen und Anforderungen die 42 zu betreuenden Verwaltungen an das KRZN stellen. Des Weiteren ging er darauf ein, inwieweit die einzelnen Belange der Akteure organisatorisch abgestimmt und befriedigt werden können. Die Geodaten der zusammengeschlossenen Verwaltungen werden zentral in einem georeferenzierten DataWarehouse vorgehalten. Dieses können die beteiligten Verwaltungen für ihre Aufgaben nutzen. Auch ein Zugriff für Dritte (z.B. Kunden und Bürger) ist möglich. Es kommen Desktoplösungen und Web-Technologien zum Einsatz. Die Einbindung von Normen und Standards hat schon zum Teil Einzug gehalten, eine Erweiterung dieser ist langfristig angestrebt. Die nächsten Ziele, die das KRZN anstrebt, sind die Homogenisierung kommunaler Themen vor dem Hintergrund eines sich ständig verbessernden Liegenschaftskatasters sowie die Umsetzung einer Vollhistorie von Fachinformationen.

Im darauffolgenden Vortrag stellte Herr Dipl.-Ing. Jochen Wagner von der Stadtverwaltung Bonn „Die Geodateninfrastruktur auf freier Software der Bundesstadt Bonn und der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler“ vor. Die kommunale GDI der Stadt Bonn ist gänzlich auf freier Software aufgebaut. Als Softwarebasis kommen Technologien wie PostgreSQL, DEGREE, Mapbender und ein Content-Management-System einschließlich Datenbankinterface zum Einsatz. Die Stadt Bonn legt ihren verschiedenen Fachanwendungen Geobasisdaten zu Grunde, die großteils aus dem eigenen Haus kommen. So werden die ALK, der Stadtplan mit netztopologischem Aufbau und Einzelhausdarstellung sowie die digitalen Orthophotos mit 10 cm Bodenauflösung verwendet. Für regional übergreifende Anwendungen wird ein Stadtplan aus den ATKIS-Produkten der Landesvermessung hergestellt, der neben der Stadt Bonn den Rhein-Sieg-Kreis, und den Landkreis Ahrweiler umfasst. Der Referent stellte einige GIS-Anwendungen der Stadtverwaltung vor. Hier handelte es sich um interne Geodatenanwendungen wie ein Spielplatzbedarfsplan oder die Erhebung des Straßenvermögens. Weiterhin werden auch Anwendungen für die Stadtwerke der Stadt Bonn bereitgestellt (Verkehrsbetrieb, Energie- und Wasserversorgung), sowie ein Bürgerinformationsportal betrieben. Herr Wagner legt dar, dass sich durch die Vielzahl der Anwendungen und Funktionen erhebliche Synergien bei der Datenführung und der Nutzung von Hard- und Software ergeben. Die Stadt setzt ein Content-Management-System ein, in dem kartographische Funktionen eng eingeflochten sind. Dies erlaubt die Anschmiegung der Anwendungen an die vielfältigen Arbeitsprozesse und Informationsbereiche. So kann beispielsweise die Leitstelle der Verkehrsbetriebe mit gleicher Software- und Datenarchitektur unterstützt werden, wie der Bereich des Neuen Kommunalen Finanzmanagements der Stadt Bonn. Abschließend wurden die Entwicklungen von 3D-Stadtmodellen gezeigt, die auf der Normierung CityGML basieren.

Den abschließenden Vortrag des Workshops hielt Herr Thorsten Luckow von der Kreisverwaltung Segeberg. In seinem Erfahrungsbericht über „Wirtschaftlichkeit und Synergien durch kommunale Zusammenarbeit beim Aufbau einer kommunalen GDI“ wurde zu Beginn die kommunale Situation des Landes Schleswig-Holstein dargelegt. Mit ca. 230 Kommunen ist das Land sehr kleinteilig aufgebaut. Hinzu kommt, dass die Kommunen sehr viele individuelle IT- und E-Governmentlösungen realisieren. Durch das Land werden zwar freiwillige Kooperationen gefördert, jedoch gibt es relativ wenige Gemeinschaftsprojekte. Trotz dieser Situation wurde im Kreis Segeberg ein Geodateninformationssystem realisiert, indem Fachinformationen des Landkreises sowie der dem Kreis angehörende Kommunen vorgehalten werden. Die Fachdaten werden dezentral vorgehalten und über eine Geodatendrehscheibe individuell gemäß der Anfrage des Nutzers bereitgestellt. Somit bleibt jede Verwaltung rechtlich verantwortlich für die eigenen Daten. Als Geobasisdaten kommen im Landkreis die Produkte der Katasterämter (Liegenschaftskataster) und des Landesvermessungsamtes (ATKIS-Produkte) zum Tragen. Es werden eine Vielzahl an Fachinformationen vorgehalten und für interne und externe Zwecke bereitgestellt. Für die interne Nutzung sind Weblösungen umgesetzt. Darüber hinaus besteht ein Bürger-Client für externe Anwender. Der Referent berichtete dass sich durch den Zusammenschluss der Kommunen und des Landkreises zur Umsetzung einer GDI Vorteile für den Bürger, die Wirtschaft und die Kommunalverwaltungen ergeben. Somit können beispielsweise Verwaltungsprozesse, an denen mehrere Verwaltungen beteiligt sind, beschleunigt werden (z. B. medienbruchfreies Baugenehmigungsverfahren). Ebenso ergeben sich Synergien bei der Zusammenfassung von Einzelsystemen. Dies reduziert die Kosten für die Beschaffung und den Betrieb der Systeme. Darüber hinaus wird dem Bürger und den Akteuren der Wirtschaft ein verbesserter Service geboten. Durch die Synergien und die Möglichkeit zur Prozessverbesserung ergibt sich ein Einsparpotenzial von bis zu 80% aller laufenden Kosten. Aufgrund der umgesetzten Infrastruktur des Landkreises Segeberg unter der Einhaltung von internationalen Standards kann diese in eine landesweite GDI eingebunden werden. Hierbei sind weitere Synergien zu erwarten und die Realisierung von übergreifenden E-Governmentlösungen möglich.

Herr Prof. Seuß beschloss den Workshop mit einer kurzen Zusammenfassung und gab den Hinweis auf die Internetseiten www.ikgis.de, auf der weiteren Informationen zum Workshop erhältlich sind. Abschließend kündigte er noch die im Herbst stattfindende Seminarreihe „Basiswissen GIS für Einsteiger und Fortgeschrittene“ vom 19. bis 20. September 2007 an.

Dipl.-Ing. Timo Karl

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